Drache bleibt Drache?

Über Antisemitismus und Antizionismus in der deutschen Linken

Gilad Atzmon, britisch-israelischer Künstler und bekennender Antizionist, schrieb im Jahr 2005 – es war nicht sein erster Ausfall dieser Art – in seinem Weblog, man müsse anfangen, die Vorstellung ernstzunehmen, dass die Juden die Welt kontrollierten: »Since America currently enjoys the status of the world’s only super power and since all the Jews listed above declare themselves as devoted Zionists, we must begin to take the accusation that the Jewish people are trying to control the world very seriously.« Erst 2012 veröffentliche die westdeutsche Splittergruppe »Kommunistische Initiative« ein Flugblatt mit dem Titel »Gegen Imperialismus, Zionismus und Krieg!«, in dem es unter anderem heißt: »Kein Mitleid, kein Bedauern, keinerlei Rücksicht insbesondere mit dem zionistischen Regime Israel, dessen Existenz allein schon eine Kriegsdrohung darstellt! In diesem Brückenkopf des US-Imperialismus konzentrieren sich zunehmend die reaktionärsten, chauvinistischsten, rassistischsten und profaschistischen Kräfte des Imperialismus im Kampf gegen die Völker.« Beides sind jüngere Beispiel dafür, wie sich Antisemitismus von links manifestieren kann. Sie verlangen natürlich eine Interpretation, also den Nachweis, warum sie antisemitisch sind, denn zumindest das zweite Beispiel ist ja nicht explizit feindlich gegen Juden gerichtet. Dafür ist ein Blick auf die Geschichte und spezifische Existenzweise des gegenwärtigen Antisemitismus als fragmentiertes Phänomen hilfreich.

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